9.7.2018: Insel des Todes, der Ruhe oder halt Sentosa

Frühstück im Hotel

Wir rocken nach einer erholsamen Nacht erst einmal das schöne Hotelrestaurant.

Hier sind viele Geschäftsleute und es ist schon herrlich, wenn wir fünf die mit seichter Fahrstuhlmusik untermalte ruhige Kaffeetassenklapperakustik durchbrechen. Da wird das wilde Laptopgetippe kurz unterbrochen und entweder genervt, sehnsüchtig, freundlich oder neutral aufgeschaut, um dann irritiert, aber doch unbeirrt wieder in die Tasten zu hauen.

Zwei Tische weiter sitzen zwei Männer und eine Frau, die voll im ‚Meetingmodus‘ sind. Das sind unverkennbar Banker, Berater oder so. Alle drei sprechen Deutsch. Hiervon möchte sich Deani persönlich überzeugen und geht mal eben rüber, um zu fragen, ob es stimme, dass sie Deutsch sprechen. Die Dame, in ein unmögliches, glockenartiges Blümchenkleid geschossen, blickt von ihrer Portion Rührei auf und raunzt ihn an als sie ihn aus dem Augenwinkel entdeckt: „Willst Du Dich jetzt etwa zu uns setzen?!?“- Deani ist schon etwas perplex, ob des aggressiven Untertons, antwortet dann aber recht selbstbewusst: „Nein, will ich nicht. Ich wollte nur wissen, ob Ihr echt Deutsch sprecht!“, macht auf dem Absatz kehrt und lässt die olle Zimtzicke da sitzen, die kurz stutzt, dann fragend mich anschaut. Ich lächle sie an und streichle Constantin über den Kopf.

Ich liebe es! Boris und ich sind sowas von nicht in diesem ‚Hey, hab jetzt gleich ein Meeting!‘- Modus, dass es einfach nur Spitze ist! Das fällt uns hier schon auf.

Sentosa Island

Wir planen einen Ausflug nach Sentosa Island. Sentosa hieß ursprünglich ‚Pulau Belakang Mati‘, was ‚Insel des Todes‘ bedeutet. 1972 wurde sie in ‚Sentosa‘ umbenannt, was so viel bedeutet wie ‚Friede‘ oder ‚Ruhe‘. Ich finde, dass beides nicht besonders gut passt.

Sentosa ist ein einziger Vergnügungspark. Wir kämpfen uns durch das U-Bahn-Netz- die Jungs sind schrecklich aufgeregt, denn an jeder Ecke hängen hier 5-20 Überwachungskameras. Wir benutzen aber ENTGEGEN der Verbotsschilder die Rolltreppe mit unserem Kinderwagen! Geht in den Augen von C&C gar nicht!! Mit Panik in den Augen wird da die Umgebung nach Polizisten abgesucht, um einer Verhaftung zu entgehen. Wir hätten den Kids nichts darüber erzählen dürfen, dass es hier sehr streng zugeht.

Besorgte Gesichter!!!

Wir gelangen ohne Konflikte mit der Staatsgewalt bis zur Cable Car- der Gondel, die uns nach Sentosa bringt. Am Starbuck’s gibt es noch einen Frappochino für uns- Dodo hat nix Besseres zu tun als sich den Saft, den er probieren darf, über den Body zu kippen. Aber oben ohne gefällt er uns ohnehin besser…

Gondelparty

KidZania

Wir machen uns auf den Weg nach KidZania.

Hier können die Kinder spielen, verschiedene Berufe ausprobieren und wir können sie stundenlang nicht aus dem (runtergekühlten) Laden rauskriegen. Sie spielen Fußball, backen Pizza, erkunden den Eisladen und liefern Wasser aus.

Auch für Dodos Kragenweite ist hier einiges geboten. Bevor er im Buggy einschnorchelt, hüpft er im Bällebad umher und macht den Toddlersroom unsicher.

Spaziergang am Strand

Als wir uns nach der Pilotenausbildungseinheit ENDLICH selbst in die Freiheit entlassen, genießen wir die Wärme draußen und laufen am Strand von Sentosa entlang.

Es ist hier schon nett, aber halt auch alles sehr unnatürlich. Davon abgesehen ist die gesamte Umgebung gespickt mit Verbotsschildern. Hier ist alles stark reglementiert und das macht es einerseits natürlich gefühlt sicher (ob es das echt ist, vermag ich nicht zu beurteilen) und sauber, andererseits haben wir das Gefühl, dass alles in irgendeiner Art verboten ist. Nicht, dass es uns nicht reizt, Verbotenes zu tun, es ist mehr so, dass wir uns nicht natürlich verhalten. Ist schwer beschreibbar. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass wir relativ oft aus der Rolle fallen. Zum Beispiel beim Warten auf die U-Bahn, wenn unsere drei Kids wie wild den Bahnsteig auf und ab rennen. Hier sind die Bahnsteige mit Glastüren verschlossen, sprich, man kann hier faktisch nicht in die Gleise stürzen. Ist natürlich ein Traum! Wir sind allerdings auch die einzigen, deren Kinder rumrennen dürfen.

Ich finde auch die Schilder, auf denen man als Besucher von Sentosa angehalten wird, freundlich zu sein, komisch. Aber gut- wir nehmen es uns SEHR zu Herzen und sind einfach freundlich! Dann kann ja nicht so viel passieren…

Auf dem Rückweg machen wir dann aber doch etwas ganz Verwegenes- wir kaufen Alkohol, den wir während unseres Spaziergangs in der Öffentlichkeit trinken. Hammer!! Wir fühlen uns wild und unendlich mutig!

Foodcourt

Neben unserem Hotel gibt es einen 24h-Foodcourt. Hier gibt es für wenig Geld wirklich tolles Essen, das wir uns gerne noch gönnen. Die Kinder sind so fertig, dass Ceddi am Tisch einschläft. Bei näherer Betrachtung stellt der aufmerksame Leser fest, dass Deani und ich ebenfalls ziemlich fertig aussehen. Wir waren mal wieder viel unterwegs heute, was bei 30 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit einfach nicht ganz ohne ist!

Da hilft nur eins: ab in die Rüsselkoje und SCHLAFEN! Und das machen wir auch! 😴